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Der Focusrite-Leitfaden zur Musikveröffentlichung: Teil 1

News Story

Der Focusrite-Leitfaden zur Musikveröffentlichung: Teil 1

Bereite dein Material vor

Text: Chuck Fishman

Du hast einen Song aufgenommenoder vielleicht auch mehrere Songs. Vielleicht handelt es sich auch um eine Sammlung von Songs in Form eines Albums. Und nun überlegst du, wie du es veröffentlichen kannst.

Die gute Nachricht ist, dass sich die Veröffentlichung deiner Musik einfacher als jemals zuvor gestaltet. Zu Beginn meiner Musikerkarriere tourte ich mit George Clinton & Parliament Funkadelic (P-Funk). Meine Familie half mir bei der Finanzierung der Aufnahme meines ersten Albums im Jahre 1996. Sie fand in teuren, wunderschönen und analogen Studios auf großen 2"-Bandmaschinen und über ein riesiges 48-Kanal-Mischpult von Soundcraft statt. Ich musste einen Medienanwalt einstellen, da Verträge für alle besonderen Gäste auf dem Album auszuarbeiten waren, einschließlich der Mitglieder von P-Funk. Dann wurde mir mein Plattenvertrag bei einem großen Label gekündigt und ich musste schauen, wie ich mein Werk selbst veröffentlichen konnte, einschließlich der CD-Herstellung. Sobald ich die CDs in den Händen hatte, lernte ich, wie man seine Musik unter die Leute bringt, indem man Promo-Packs an die Presse und das College-Radio versendet. Jawohl, mit echten Briefsendungen!

Basierend auf meinen Erfahrungen möchte ich euch in dieser vierteiligen Serie dabei helfen, eurer Musik in einigen einfachen Schritten eine Hörerschaft zu verschaffen. Und es gibt großartige Möglichkeiten, durch den Verkauf deiner Musik ein Einkommen zu erzielen, indem du diese auf Streaming-Plattformen anbietest. Auch bieten sich teils lukrative Möglichkeiten, deine Musik direkt für die Nutzung in der Werbung, in TV-Shows und Filmen zu lizenzieren. Seit Beginn meiner Karriere in den 90er Jahren wurde ein Großteil des Musikveröffentlichungsprozesses digitalisiert und vereinfacht, sodass sogar rechtliche Verträge über technischen Plattformen erstellt werden können. Leider gibt es viele Schritte, die du auf dem Weg verpassen kannst. Diese können die Möglichkeiten beeinträchtigen, deine Musik zu streamen, zu verkaufen und zu lizenzieren. Denke also während des gesamten Prozesses stets daran, bedacht und vernünftig vorzugehen.

 

Die Checkliste für Musikveröffentlichungen

Meine Checkliste gleicht einem Flussdiagramm – vergleichbar zu einem Spiel, bei dem du dein eigenes Abenteuer wählen kannst. Du kannst einige Schritte überspringen, wenn diese nicht auf dich zutreffen.   

 

SCHRITT 1: Bereite deine finalen Mixe vor

Es mag offensichtlich klingen, aber es ist wichtig, dass du deine finalen Abmischungen tatsächlich überprüfst, gern auch doppelt und dreifach. So stellst du sicher, dass alles wie gewünscht und richtig klingt. Vergleiche deine Mixe mit bereits veröffentlichten Titeln, die dir gefallen. Das gilt insbesondere Songs aus dem gleichen Genre, in dem auch du produzierst. Klingen sie ähnlich? Inwieweit unterscheiden sich deine Songs, von denen, die du magst? Dies sind die wichtigen Fragen, die du stellen solltest.

So macht meine Band FSQ fette Disco- und Funkmusik, an der viele analoge Instrumente beteiligt sind. Zu den wichtigen Aspekten bei der Hörkontrolle des finalen Mixdowns gehört es, sicherzustellen, dass sämtliche Instrumente hörbar sind und dass die Abmischung Platz für jedes Instrument bietet. Unter "Platz in der Abmischung" verstehe ich, dass jedes Instrument einen eigenen Bereich des Frequenzspektrums einnehmen sollte, damit keine zwei Instrumente akustisch miteinander kollidieren.

Manchmal ist es möglich, Equalizer zu nutzen, um Raum zu schaffen. Dennoch ist es bei Arrangements mit vielen Instrumenten durchaus üblich, dass der Mix überfüllt klingt. In diesem Fall wählen wir einen aggressiveren Ansatz, indem wir konkurrierende Teile stumm schalten und diese dann im Zeitverlauf des Songs einführen. Wir nennen dies "Stapeln" der Mischung im Verlauf des Songs. Im Ergebnis baut der Song langsam Energie auf und erhält gleichzeitig mehr Raum zum Atmen.

 
Tipp: Es mag banal und offensichtlich klingen, aber stelle sicher, dass du zu 100% mit deinem Mixdown zufrieden bist.

Wenn du immer noch Probleme mit deinen Mischungen hast, dann suche dir einen Toningenieur, der dir bei der wunschgemäßen Abmischung deiner Titel helfend zur Seite steht. Hoffentlich kennst du lokale Talente im Bereich der Tontechnik. Andernfalls kannst du aber auch auf Webseiten professioneller Musiknetzwerke such. Etwa bei Soundbetter, das zu Spotify gehört. Der Nachteil bei der Suche nach Remote-Talenten besteht darin, dass du möglicherweise umfassend per E-Mail kommunizieren musst, um zu den gewünschten Endresultaten bei deinem Mix zu gelangen. Das alles mag nach gesundem Menschenverstand klingen. Ich habe jedoch zu viele Songs aus der Tür gelassen, bevor ich wirklich Zeit mit ihnen verbracht und zugehört habe, um sicherzustellen, dass sie auch richtig klingen. Bitte überspringe diesen Schritt also nicht.

 

SCHRITT 2: Organisiere Dich!

Unabhängig davon, wie du deinen finalen Mix erstellst, gibt es einen zusätzlichen Vorbereitungsschritt, der für die Zukunft deiner Veröffentlichung wichtig ist. Führe aus deinen einzelnen Song-Sessions Bounces für alle einzelnen Instrumental- und Gesangsspuren aus, auch Stems genannt. Stelle dabei sicher, dass du aus deiner DAW unkomprimierte Audio-WAV oder AIF-Dateien exportierst. Dabei sollte jeder Bounce so eingestellt werden, dass er bei Null beginnt. Damit lassen sich alle Spuren beim erneuten Zusammensetzen richtig auf der Zeitachse ausrichten. Stelle sicher, dass sämtliche eingesetzten Plug-ins und Effekte in die Bounce-Stems eingerechnet werden. Der Toningenieur, der deine Songs anwählt, nutzt möglicherweise nicht dieselbe DAW und kann daher eventuell nicht auf dieselben Softwarewerkzeuge zurückgreifen.

Sobald du deine Stems erstellt hast, versehe den Session-Ordner jedes einzelnen Songs mit dem Songtitel und ergänze dessen Tempoangabe in BPM (Beats per Minute). Platziere abschließend alle Bounce-Dateien in diesem Ordner. Stelle sicher, dass du alle deine Mixe und Projektordner für deine Songs auf einer passwortgesicherten Online-Speicherplattform wie Dropbox abgelegt sind. Wenn du dir dabei Sorgen um die Sicherheit machst, aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung in deinem Cloud-Speicher. Ich habe oft genug Leute gesehen, die Festplatten mit ihren Musikdaten verloren haben und keine Backups hatten.

Das Bouncen von Stems und deren Organisation mag aktuell nicht wichtig erscheinen, insbesondere wenn du keine zusätzliche Hilfe bei der Erstellung der finalen Mischungen in Anspruch nimmst. Aber es ist dennoch für die Zukunft relevant. Stell es dir so vor: Zu Zeiten analoger Aufnahmetechnik hast du die Aufnahmesitzung mit einem Masterband deiner Musik verlassen. Wenn du deine Session hier und jetzt organisierst, erhältst du Masterbänder in digitaler Form. Das kann in der Zukunft zu Abschlüssen führen oder aber diese vereiteln. Beispielsweise möchten Agenten aus dem Bereich der Synchronisation deine Musik möglicherweise in Filmen oder im Fernsehen platzieren, müssen jedoch möglicherweise im Material zurückgehen und Änderungen am Mix oder am Arrangement vornehmen, um diese der Videoprogrammierung anzupassen. Im Dance-Bereich möchte ein Plattenlabel eventuell einen anderen Künstler bitten, deine Songs in Form eines Remixes zu bearbeiten. Kürzlich hat mich mein Plattenlabel um Stems aus einer Aufnahme-Session von 2008 gebeten! Betrachte es als Investition in deine Zukunft.

Tipp: Sobald deine finaler Mixdown abgeschlossen ist, erstelle Bounces von Stems und Effekten und lege diese an einem sicheren Ort ab – möglicherweise benötigst du diese in der Zukunft.

 

SCHRITT 3: Mastering

Du bist also zufrieden mit deinem finalen Mix. Wie wäre es nun mit einem Mastering? Es gibt viele Möglichkeiten und welchen Weg du einschlägst, hängt gleichermaßen von deinen Vereinbarungen zur Veröffentlichung, von deinem Zeitbudget und deinen Finanzen ab.

Fest steht, dass das Mastering deine Musik sicherlich lauter macht. Es kann aber möglicherweise auch die gesamte Klangdynamik verändern. Obwohl die Mastering-Technik ziemlich verlässlich und hochwertig ist, werden in dieser Prozessstufe teilweise Fehler gemacht. Darüber hinaus haben verschiedene Mastering-Ingenieure unterschiedliche Ohren und Herangehensweisen an den Klang. Das Master könnte sich blechern anhören, dünn und metallisch oder zu basskräftig und matschig. Wie das Überprüfen deiner Mixdowns ist auch das Prüfen deiner Master von entscheidender Bedeutung. Selbst wenn das Label, mit dem du arbeitest, es dir möglicherweise nicht erlaubt, Änderungen an einem finalen Master vorzunehmen, so wirst du zumindest nicht mehr unangenehm überrascht, wenn deine finale Abmischung bei der Veröffentlichung plötzlich anders klingt.

 

Ich bin bei einem Plattenlabel unter Vertrag. Wie wird dabei mit dem Mastering umgegangen?

Wenn du deine Musik bei einem Independent-Plattenlabel veröffentlichst, dann übernimmt dieses höchstwahrscheinlich auch das Mastering. Sobald du zufrieden mit deiner Abmischung bist, erstellst du ein "Pre-Master" – eine Version deiner finaler Mischung, die in einem Format geliefert wird, mit dem der Mastering-Ingenieur arbeiten kann.

 

Wie erstelle ich ein Pre-Master?

Um ein Pre-Master zu erstellen, nimm deinen finalen Mix und verringere den Ausgangspegel am Masterausgang um 6 dB, damit der Mastering-Ingenieur mehr Spielraum hat. Rendere/Bounce/Exportiere den Titel dann als Stereodatei mit 24 Bit/96 kHz. Du kannst diese Werte in den Ausgabeeinstellungen deiner DAW konfigurieren. Bitte auch den Mastering-Anbieter, dieses Format nach Möglichkeit während des gesamten Bearbeitungsprozesses beizubehalten. Möglicherweise wird dort nicht in dieser Auflösung gearbeitet. Dennoch ist es wichtig, die hohe Auflösung der Masterdatei beizubehalten, da eine steigende Anzahl von Musikhändlern und Streaming-Diensten auf qualitativ hochwertige Audioformate umsteigen. Es ist daher wichtig, dass du versuchst, deine Musik auch in diesem Format anzubieten.

 

pre-master

Ein Beispiel für eine Pre-Master-Einstellung: Der Spitzenpegel liegt bei -6 dB, um Headroom in der gemischten Datei sicherzustellen.

Führe grundsätzlich eine Qualitätskontrolle des Masters durch!

Es ist wichtig, das Label grundsätzlich um eine finale Genehmigung der endgültigen Master deiner Musik zu bitten. Sie liefern das Material an ihren Vertrieb, und dieser verteilt deine Musik wiederum an Streaming-Dienste und Einzelhandelsgeschäfte für digitale Musik. In einigen Fällen verwendet der Vertrieb die Master auch, um physische Medien wie CDs und Vinyl herzustellen. Wie immer können Fehler vorkommen. Und du bist am besten in der Lage, diese zu erkennen. Immerhin kennst du das Material besser als jeder andere. Kannst du dir vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn dir das Master deiner Song-Mischung nicht gefällt, es aber bereits auf einige hundert CDs oder Schallplatten gepresst wurde?

Kürzlich beging ich den Fehler, nicht nach dem finalen Master eines FSQ-Remixes für Lonely C von Soul Clap zu fragen. Wir hörten uns unseren FSQ-Remix am Tag der Veröffentlichung auf Spotify, Apple Music, Bandcamp und diversen anderen Plattformen an und dachten: „Wow, hier stimmt wirklich etwas nicht.“ Es stellte sich heraus, dass der Mastering-Ingenieur versehentlich unser Referenz-Master im Abgleich zu unserem leiseren Premaster gemastert hatte. Dabei war Letzteres die Audiodatei, die gemastert werden sollte. Im Resultat war das endgültige Master unseres Remixes doppelt so laut, wie es normalerweise hätte sein sollen und somit übermoduliert und verzerrt. Glücklicherweise haben wir eine großartige Beziehung zu unserem Plattenlabel Soul Clap Records und konnten das richtige Master nachträglich an deren digitalen Vertrieb liefern. Leider benötigen die meisten digitalen Vertriebe 72 Stunden, um digitale Audiodateien an die wichtigsten Streaming- und Webseiten des Einzelhandels wie Beatport, Traxsource und Juno Download zu liefern. Drei Tage lang, bevor das richtige Master ausgeliefert wurde, streamten die Fans also einen zu lauten und übermodulierten Track. Schlimmer noch, einige Fans kauften eine beschädigte Audiodatei mit der Absicht, diese öffentlich abzuspielen. Also noch einmal: Du solltest deine Masterdateien grundsätzlich genehmigen!

 

Kann ich meine eigenen Referenz-Master erstellen?

Bei den meisten Produktionen meiner Band FSQ handelt es sich um Remixe für andere Künstler auf Labels, mit denen wir normalerweise nicht arbeiten. Diese Remixe werden auf EPs und Alben mit Werken anderer Produzenten veröffentlicht. Um dabei für Konsistenz zu sorgen, wird das Plattenlabel des Hauptkünstlers sämtliche Remixe für diese Veröffentlichung mit demselben Mastering-Ingenieur und -Studio abwickeln. Wir erstellen aber dennoch ein Referenz-Master, das wir in Clubs, in Radioshows und bei DJ-Sets nutzen. Wir haben uns entschieden, den Mastering-Prozess selbst durchzuführen. Bei FSQ haben wir das Glück, Produzent One Era alias Matt Coogan in unseren Reihen zu haben. Er hat ein talentiertes Ohr für das Mastering und bearbeitet unsere gesamte Musik mit der beliebten Software-Mastering-Suite Ozone von iZotope.

 

Da kein Plattenlabel meine Musik veröffentlicht, bin ich selbst für das Mastering verantwortlich

Diejenigen ohne Unterstützung eines unabhängigen (oder großen) Plattenlabels, müssen den Mastering-Prozess selbst durchführen. Dir stehen viele Optionen zur Verfügung. Es lohnt sich Zeit in das Probieren zu investieren. So findest du heraus, welche Lösung für dich am besten funktioniert.

 

Dein eigenes Material mastern

Wenn du ein erfahrener Toningenieur bist, gibt es Software-Lösungen, die das Mastering in Eigenregie zu einer äußerst verlockenden Option machen. Der DIY-Ansatz ist auf lange Sicht definitiv der unmittelbarste und kostengünstigste Weg. Sobald du die Software gekauft hast, kannst du diese auch für zukünftige Projekte nutzen. Und unter den richtigen Bedingungen können die Ergebnisse ebenso gut ausfallen wie bei jeder anderen Mastering-Option.  

Denke jedoch daran, dass Mastering kein rein technischer Prozess ist. Der kreative Aspekt, den ein frischer Satz Ohren in die Masteringphase einbringt, kann zur Steigerung der Klangqualität eines Songs führen und deiner Arbeit neues Leben einhauchen. Wenn du selbst das Mastering durchführst, entfällt dieses kreative Element im Prozess. Bedenke auch, dass ein Mastering eine äußerst ausgewogene Hörumgebung voraussetzt. Wenn sich dein Studio in der Ecke eines Gästezimmers befindet oder du Kopfhörer nutzt, würde ich nicht empfehlen, dass du ein Mastering an deinem eigenen Material vornimmst.

 

Ozone von iZotope im Einsatz.

Ozone von iZotope im Einsatz.

Einen Profi verpflichten

Mastering-Ingenieure sind eine besondere Gattung. Ihre Arbeit scheint einfach, aber sie kann über den Erfolg einer Albumproduktion entscheiden. Gute Mastering-Ingenieure hören Musik typischerweise anders als Musiker – sie analysieren die Dynamik und das Frequenzspektrum über Harmonien und Melodien und nehmen dann subtile Anpassungen an einer Stereodatei vor, um so das Beste aus einem Mix herauszuholen. Tatsächlich verbringen sie ihre ganze Arbeitszeit mit dem Mastering, sind also schnell und effizient und verfügen über eine Menge Erfahrung auf diesem Gebiet.

Das Buchen eines Mastering-Ingenieurs ist nicht billig, aber eine vernünftige Wahl, wenn du viel Zeit und Geld in eine Aufnahme investiert hast. Berücksichtige grundsätzlich ein Mastering bei der Planung deines Produktionsbudgets. So stellst du sicher, dass du über die entsprechenden Mittel verfügst, wenn die Zeit für das Mastering gekommen ist.

Obwohl wir einen fähigen Mastering-Ingenieur in unserer Crew haben, haben wir uns entschieden, einen Profi für das kommende FSQ-Album zu engagieren. Wir haben uns entschlossen, mit dem gefragten Mastering-Ingenieur Joe Lambert zu arbeiten. Er hat Alben für Größen wie The Black Crowes, The B-52's, Animal Collective und Warren Haynes gemastert.

Eine wirklich einzigartige Erfahrung, die mit der Arbeit mit einem Mastering-Ingenieur wie Joe einhergeht, ist die Möglichkeit, an der entsprechenden Sitzung teilzunehmen. (Erkundige dich bei deinen Mastering-Ingenieur, ob er dich gern dabei hat!) Wir gingen in Lamberts Mastering-Studio und hörten gut zu, während er mehrere Stunden am Mastering arbeitete. Das Ergebnis war großartig und die Erfahrung außerordentlich positiv. FSQ-Produktionen sind üppig instrumentiert und der Mastering-Prozess brachte die einzelnen Instrumente zum Vorschein, ja sogar zum Glänzen.

 

Vergebe das Mastering Deiner Musik an andere

Wenn du dich mit der Nutzung von Mastering-Software zur Bearbeitung deines eigenen Materials nicht wohlfühlst und auch kein Geld für einen Mastering-Ingenieur ausgeben möchtest, dann kannst du auf Online-Dienste zurückgreifen, die deine Musik zu erschwinglichen Preisen mastern. Inwieweit du dich dabei für einen automatisierten Cloud-Mastering-Service entscheidest, sollte auch von der Komplexität deiner Musik abhängen. Einige Genres sind musikalisch unkomplizierter, wie etwa Acoustic Folk oder Minmal-Techno. Diese Genres eignen sich deshalb möglicherweise besser für entsprechende Mastering-Dienste.

Einige dieser Mastering-Dienstleistungen gehören zum Angebot digitaler Vertriebe. Diese bieten Self-Service-Optionen für unabhängige Musiker an, um Musik dann an Streamingdienste und Musikseiten für den Verkauf zu liefern. Bei diesen Mastering-Dienstleistungen handelt es sich überwiegend um cloudbasierte Softwareprogramme, die deine Mischungen mithilfe von Algorithmen zur Audioverarbeitung bearbeiten und daraus ein Master erstellen. LANDR gehörte zu den ersten Anbietern dieser Technologie und agiert inzwischen selbst als Vertrieb für digitale Musik. Einige Labels, mit denen wir zusammengearbeitet haben, haben LANDR für unsere FSQ-Veröffentlichungen genutzt. Ich hatte den Eindruck, dass mir dieser Service ergänzende Dynamik und Pegel bot. Der zusätzliche Glanz, den ich bei der Arbeit mit einem Mastering-Ingenieur oder beim direkten Einsatz einer Software-Suite erhielt, blieb jedoch aus.Ein wesentlicher Vorteil von LANDR und ähnlichen Diensten sind die erschwinglichen Preise. LANDRs erhebt eine monatliche Gebühr von 25 US-Dollar. Hierin sind beliebig viele Titel enthalten, die du einem Mastering unterziehen möchtest. Das ist preislich sehr angenehm. Bei der Auswahl deines Cloud-Mastering-Partners würde ich jedoch nicht empfehlen, den Preis als ausschlaggebenden Faktor zu betrachten. Wähle jene Methode und Plattform, die am besten klingt. Cloudbounce ist ein weiteres automatisiertes Service-Angebot, das in Partnerschaft mit dem digitalen Musikvertrieb CD Baby steht. Wie LANDR bietet Cloudbounce einen Abonnementservice für unbegrenztes Mastering. Dazu kann du für etwa 10 US-Dollar einzelne Songs bearbeiten lassen. Inzwischen hat die Schwesterfirma von CD Baby, Discmakers, mit Soundlab einen Service, der professionelles Mastering ab etwa 50 US-Dollar pro Song offeriert. Tunecore, ein weiterer digitaler Vertrieb, hat einen professionellen Mastering-Partner, Aftermaster, der ungefähr 75 US-Dollar pro Song kostet. SoundLab und Aftermaster gehen einen anderen Weg und setzen echte Toningenieure ein. Dabei ist es dir möglich, Rückmeldungen zu den abgeschlossenen Arbeiten zu geben. Dies bietet möglicherweise die beste Balance zwischen der Nutzung einer Online-Plattform und dem Erhalt einer persönlichen Verbindung zum Toningenieur. Du wirst zwar nicht mit in der Mastering-Suite sitzen, kannst aber die Masteringarbeiten per E-Mail-Feedback deinen Wünschen anpassen lassen. Weitere Online-Dienste für das Mastering sind Chosen Masters, eMastered, Schnalz und Maztr.

 

Einige der im Online-Mastering-Service LANDR angebotenen Optionen.

Einige der im Online-Mastering-Service LANDR angebotenen Optionen.

Fußnote: Urheberrecht und Veröffentlichung vor dem Mixdown und dem Mastering?

Einige meiner Musikerkollegen würden dir sagen, dass du deine Songs zuerst urheberrechtlich schützen und veröffentlichen musst, bevor du eine finale Abmischung, Pre-Master und Master erstellst. Die Schritte bezüglich Urheberrecht und Veröffentlichung sind in der Tat sehr wichtig und einige Künstler stellen diese daher an die oberste Stelle. Zum Beispiel können Komponisten, die Musik für andere Künstler schreiben, eine Demoversion ihrer Songs erstellen, die andere Künstler aufführen sollen. Damit einen solchen Titel als ihr Eigentum beanspruchen können, lassen sie es zunächst urheberrechtlich schützen und veröffentlichen es darüber hinaus, ehe sie es als Demo an einen anderen Künstler weiterleiten.

Ich habe den Mix und das Mastering als erste Schritte zur Veröffentlichung deiner Musik beschrieben, da es für jeden Künstler viele unterschiedliche Szenarien gibt, wie mit einer Veröffentlichung und Urheberrecht umgegangen wird. Ich bin zudem der Überzeugung, dass du, sobald du die finalen großartig klingenden Songs fertiggestellt hast, motivierter bist, deine Musik in Richtung Veröffentlichung zu bewegen.

 

Was kommt als nächstes?

Im zweiten Teil dieser vierteiligen Serie  werde ich dir einige der besten Online-Dienste zeigen, mit denen du den Urheberrechts- und Veröffentlichungsprozess optimieren kannst.

 

Über den Autor: Chuck Fishman

Chuck Fishman

Chuck Fishman ist ein Veteran im Musikgeschäft. Er startete seine Karriere in den 90er Jahren mit Tourneen und Aufnahmen mit George Clinton & Parliament-Funkadelic (auch bekannt als P-Funk). Heute verwaltet er das digitale Marketing und die Partnerschaften für die legendäre Funkgruppe. Parallel zu seiner Karriere als Musiker hat er eine lange Historie technischer, beruflicher Tätigkeiten, darunter Beschäftigungen bei Cisco und official.fm, Acquia und Gracenote. Aus diesen technischen Positionen für die Musikindustrie erwuchsen Partnerschaften mit Warner Music, Sony Music Entertainment und Universal Music Group, um Internet-Plattformen für Tausende von Künstlern aufzubauen. Chuck war zudem Mitglied mehrerer Fachverbände der Musikindustrie, darunter A2IM und der Music Business Association.

Heute macht er Musik als Mitglied eines sechsköpfigen Produktionsteams namens Funk Style Quality, auch bekannt als FSQ, das seine Musik hauptsächlich über das Dance-Label Soul Clap Records veröffentlicht. Zu den FSQ-Mitgliedern zählt unter anderem der achtmalige Grammy-nominierte Produzent G Koop. Während er stets auf dem neuesten Stand der Musiktechnik und der digitalen Marketing-Trends ist, stellt Chuck fest, dass sich auch die Techniken der Produktion und der erfolgreichen Musikveröffentlichung ständig weiterentwickeln. Mit dieser Serie möchte er seine gewonnenen Erkenntnisse teilen, während er weiterhin neue FSQ-Remixes, EPs und Alben veröffentlicht.